SPD-Fraktion verteidigt Benennung des Goldstein-Parks
geschrieben von
am
22. April 2010
Kategorie:
Berichte
Rede von Herrn André Gaedecke (SPD) auf eine Bürgeranfrage, die die Benennung des Kurt-Julius-Goldstein-Parks kritisierte. Er fragte expliziert, warum hier ein jüdischer Name gewählt wurde.
Frau Vorsteherin, meine Damen und Herren
werter Herr Maschke
Es gab viele gute Gründe, den Park am U-Bahnhof Hellersdorf nach einem deutsch-jüdischen Menschen zu benennen, der die Ehre seines Landes in einer Zeit rettete, als Millionen seiner Landesleute willig und bewusst einem Demagogen folgten, der am Ende seiner Herrschaft Deutschland und Europa in ein Trümmerfeld mit Millionen Toten verwandelt hatte. Bis zum Ende seines Lebens betrachtete Kurt Julius Goldstein Deutschland als sein Vaterland und das auch eingedenk der Tatsache, dass er bereits als Kind und als Jugendlicher in den zwanziger Jahren den Antisemitismus von Mitschülern und Lehrern erleben musste.
Ab November 1936 nahm Goldstein als Interbrigadist am Spanischen Bürgerkrieg teil und wurde 60 Jahre später vom spanischen Staat zum Ehrenbürger ernannt.
Goldstein überlebte 30 Monate im Konzentrationslager Auschwitz und im Januar 1945 den Todesmarsch nach Buchenwald. Zusammen mit anderen Häftlingen leistete er am 19. April 1945 den Schwur von Buchenwald, in dem es unter anderem hieß: “Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung.“ Diesem Anliegen fühlte sich Kurt Julius Goldstein vor allem aufgrund seiner persönlichen Erinnerungen bis an sein Lebensende verpflichtet.
Mit Ausnahme der engsten Familie und eines Cousins, der ebenfalls nach Palästina emigrierte, sowie eines Onkels und einer Tante, die nach Lateinamerika auswanderten, starben alle Verwandten von Kurt Goldstein in der Schoah. In einem Interview für das Visual History Archive berichtete Goldstein 1996, dass über fünfzig seiner Verwandten von den Nationalsozialisten ermordet wurden.
Als die Bundesrepublik Deutschland ihn 2005 mit dem Bundesverdienstkreuz ehrte würdigte sie auch seine Verdienste in der Arbeit des Internationalen Auschwitz Komitees (IAK), wo er während der Zeit des Kalten Krieges “Organisationen ehemaliger Häftlinge aus Ost und West in gemeinsamer pädagogischer und politischer Arbeit” zusammengeführt hatte.
Als sich das Bezirksamt und die Bezirksverordnetenversammlung unseres Bezirkes für die Benennung des Platzes am U-Bahnhof Hellersdorf nach Kurt-Julius Goldstein entschieden, ehrte man mit ihm nicht nur eine bedeutende Menschen der deutschen Geschichte, der bis zuletzt unermüdlich unterwegs war, um über seine Erinnerungen zu berichten und somit ganz praktisch seinen Anteil zur aktuellen Auseinandersetzung mit faschistischem Gedankengut leistete.
Warum hätte man sich für die Benennung des Parks nach Franz Carl Achard entscheiden sollen? Dies wäre aus rechtlichen Gründen nicht gegangen, da dessen Name in der Straßenlandschaft unseres Bezirkes bereits vertreten ist. Außerdem trägt auch eine Schule in Kaulsdorf seinen Namen.
Und was den Müller Jürgen Wolf betrifft: Abgesehen davon, es nicht üblich ist, Straßen oder Plätze nach lebenden Personen zu benennen, hege ich ernsthafte Zweifel, daran, ob dieser engagierte Mensch darauf Wert legt, von Ihnen und Ihrer Partei hier ins Gespräch gebracht zu werden.


