Baden in Regenwasser?

Datum: 13. Oktober 2020 | Kategorie: Aus der Presse

FREIZEIT: Der Biesdorfer Baggersee sorgt für politische Diskussionen. Linke und SPD wollen dort Baden ermöglichen. Bislang ist die Wasserqualität dafür aber nicht geeignet. Von Marcel Gäding.

Bilder von vollen Stränden und Liegewiesen sowie unzähligen Badenden prägten in diesem Sommer die Berichterstattung rund um den Biesdorfer Baggersee. Weil es bis heute in Marzahn-Hellersdorf kein Freibad gibt, zieht das kleine Gewässer in Biesdorf-Süd jedes Jahr trotz eines Badeverbots Tausende Er-holungssuchende an. Dabei ist das Baden weiterhin gesundheitlich bedenklich: Vor allem aus dem naheliegenden Siedlungs-gebiet fließt anfallendes Regenwasser ungefiltert in das Gewässer.

Die Folge des Badens in Regenwasser können unter an-derem Hauterkrankungen sein. „An der Südost- und Ostseite des Sees gibt es zwei kleine insgesamt ca. 14 ha große Einzugsgebiete, deren Regenwasserabflüsse direkt (unbehandelt) eingeleitet werden“, bestätigt Staatssekretär Stefan Tidow (Bündnis 90/ Die Grünen) von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Nur wenn es eine „Regenwasserbewirtschaftung“ gebe, könnte verhindert werden, dass Niederschlagswasser ungefiltert in den Baggersee gelangt. „Welche Maßnahmenpotentiale auf den Grundstücken im Einzelnen bestehen, z.B. Regenwasserversickerung, Regenwassernutzung, Entsiegelung, versickerungsfähiges Pflaster, etc. wäre grundstücksspezifisch zu untersuchen“, erklärt Tidow unter Berufung auf die Berliner Wasserbetriebe. „Das Einzugsgebiet, das Umfeld und die Auslegung des Retentionsbodenfilters sind nicht geeignet, um eine hygienisch sichere Badenutzung zu gewährleisten. Die bislang ergriffenen Maßnahmen wirken der Eutrophierung des Sees wirksam entgegen und dienen dem Grundwasserschutz.“

Die Antworten des Staatssekretärs rufen den CDU-Kreisverband Marzahn-Hel-lersdorf auf den Plan. Sie interpretieren die Zeilen so, dass „die Anwohner in der Pflicht gesehen werden“. Der überwiegende Teil des Niederschlagswassers falle allerdings auf öffentlichem Straßenland an, erklären die Christdemokraten in einer Pressemitteilung. „Daher ist es für uns nicht hinnehmbar, dass nun die Anwohner auf ihren Grundstücken zur Kasse gebeten werden sollen.“ Der direkt gewählte Abgeordnete Mario Czaja sagt: „Wir brauchen Regenentwässerungskonzepte für das gesamte Siedlungsgebiet. Diese Aufgabe den Anwohnern aufzubürden und selbst nichts zur praktischen Lösung beizutragen, zeigt einmal mehr, dass dieser Senat nicht die Interessen der Menschen hier vor Ort vertritt.“ Es sei absurd, dass „nun die Anwohner für die Badewasserqualität am Baggersee bezahlen sollen“, erklärt sein Abgeordnetenkollege Christian Gräff.

Druck kommt nun auch von der Bezirkspolitik. Sowohl die Linksfraktion als auch die SPD haben jeweils Anträge zum Thema Biesdorfer Baggersee in die Bezirksverordnetenversammlung eingebracht, über die in der Sitzung am 8. Oktober beraten werden soll. So soll das Bezirksamt prüfen, „wie der Biesdorfer Baggersee unter Betei-ligung der Bevölkerung zu einem saube-ren, sicheren und legalen Badesee bis Som-mer 2021 entwickelt werden kann“, teilt die SPD-Fraktion mit. Empfohlen werde, ein Gutachten der Bewertung der Wasser-qualität anfertigen zu lassen, das Aussagen darüber enthält, mit welchen Maßnahmen die erforderliche Wasserqualität hergestellt werden könne. Außerdem solle eine Einwohnerversammlung zur Entwicklung des Biesdorfer Baggersees einberufen werden.

„Die SPD-Fraktion steht für Dialog und das Finden einer gemeinsamen Lösung. Die Ereignisse dieses Sommers haben die Nutzung des Biesdorfer Baggersees als Bademöglichkeit wieder in den Fokus der politischen Aufmerksamkeit gerückt“, heißt es in der Antragsbegründung. „Marzahn-Hellersdorf verfügt immer noch über kein eigenes Freibad. Andernfalls kann ein zukünftiges Freibad mit Schwimmhalle (Kombibad) nicht den Bedarf aller 270.000 Einwohnerinnen und Einwohner des Bezirks kompensieren. […] Den Biesdorfer Baggersee zu einem Badeort zu entwickeln bleibt unter den gegebenen Voraussetzungen, zu denen der Zuzug junger Familien und das stetige Bevölkerungswachstum gehört, in Abwesenheit eines Freibades eigentlich ohne Alternativen. “

In eine ähnliche Richtung geht der Antrag der Linksfraktion: Sie ersucht das Bezirksamt „Maßnahmen zu prüfen und zu erarbeiten, die eine Verbesserung der Wasserqualität und eine Schaffung einer geordneten Bademöglichkeit im Biesdorfer Baggersee zum Ziel haben.“ Außerdem solle sich das Bezirksamt dafür einsetzen, dass die Wasserqualität regelmäßig kontrolliert werde. Dem Antrag zufolge sollen die „zu treffenden konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität der BVV im Januar 2021“ vorgelegt werden. Vorsorglich solle die Verwaltung zudem die Sommersaison 2021 vorbereiten und für den Einsatz von Rettungsschwimmern sorgen.

Autor: Marcel Gäding

Originaltext abrufbar unter: https://bezirks-journal.de/wp-content/uploads/2020/10/Bezirks-Journal-Marzahn-Hellersdorf-Oktober-2020.pdf



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