Marzahn-Hellersdorf soll LGBTQ*I-freundlicher werden

Datum: 22. Oktober 2020 | Kategorie: Aktuelles

Schöneberg ist beispielhaft dafür, wie die queere Community öffentlich präsent sein kann. Dort sitzt beispielsweise der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD). Außerdem gibt es zahlreiche Bars für die queere Community, und das Schwule Museum in Tiergarten ist auch nicht weit. Die Kuppel des U-Bahnhofs Nollendorfplatz ist ganzjährig in Regenbogenfarben illuminiert. Sie leuchtet queere Menschen wortwörtlich an und signalisiert: Ihr seid hier willkommen! Marzahn-Hellersdorf ist da nicht so einladend. Das soll sich ändern, indem queere Menschen zukünftig öffentlich stärker vertreten und geschützt werden.

Zwar flattern im Bezirk, ähnlich wie am Nollendorfplatz, während des Pride-Month die Regenbogenfahnen, es gibt aber zum Beispiel keine*n Queerbeauftragte*n. Ein von der SPD in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am Ende August eingebrachter Antrag fordert genau dies: der Bezirk soll die Stelle einer/eines Queerbeauftragte*n schaffen, der/die als feste Ansprechperson für alle queeren Belange im Bezirk und für den Senat fungiert und über eine jährliche Haushaltssumme von 20.000 Euro verfügt, um Projekte zu realisieren.

“Eine*n Queerbeauftragte*n einzusetzen, ist ein Anliegen, das ich absolut unterstütze. Allerdings muss man das im Rahmen der Möglichkeiten machen. In einem beschlossenen und laufenden Haushalt kann ich nicht einfach neu eine Stelle einrichten”, sagt Bezirksbürger*innenmeisterin Dagmar Pohle (Linke). Sieweist darauf hin, dass der Bezirk bereits etwas für die LGBTQ*I-Community tut. Zum Beispiel gebe es seit Anfang des Jahres, das aus dem Bezirkshaushalt finanzierte Projekt „Lesben in Marzahn Hellersdorf“.

Am 18. Juli fand die Marzahn-Pride statt, an der 550 Menschen teilnahmen. Für den Bezirk eine Premiere. Organisiert wurde die Parade von der Organisation Quarteera e.V.. Sie hat sich das Ziel gesetzt, Homophobie in der russischsprachigen Community in Deutschland zu bekämpfen. Die russischsprachige Community ist mit etwa 40.000 Menschen in Marzahn-Hellersdorf berlinweit die größte. „Leider gibt es immer noch viele konservative Menschen, die unter dem Einfluss ihrer Heimatländer und der Propaganda durch das russische Fernsehen stehen“, sagt etwa Konstantin Sherstyuk, der sich bei Quarteera engagiert. Der Regierende Bürger*innenmeister Michael Müller (SPD), bezeichnete die Marzahn-Pride immerhin als ein „ganz besonderes Ereignis“.

Insgesamt hat sich in MaHe bisher trotzdem wenig für die queere Community bewegt. Vor zehn Jahren, am 25. November 2010, forderten die Grünen das Bezirksamt auf, einen bezirklichen Aktionsplan aufzustellen. Der Antrag wurde damals auch mehrheitlich beschlossen. Aber zwei Legislaturperioden sind seitdem vergangen. „Bisher ist in die Richtung LGBTQ*I-Freundlichkeit im Bezirk noch nicht viel passiert. Diese zehn Jahre sind eine Art negatives Jubiläum“, sagt der Nickel von Neumann, Bezirksverordneter der Grünen. “Die Gleichstellungsbeauftragte hatte damals die Aufgabe, gemeinsam mit der BVV einen Plan zu erarbeiten. Das hat sie dann, als die neue Legislatur begann und wir eine Veränderung im Bezirksamt hatten, nicht mehr weiterverfolgt. Die weitere Umsetzung wurde dann in der BVV von SPD, Grünen und CDU blockiert”, sagt Pohle.

Jetzt haben die Grünen einen neuen Versuch gewagt. Statt einen Antrag zu stellen, reichten sie bei der BVV am jetzt einen Aktionsplan gegen Homo- und Transfeindlichkeit ein. „Wir haben wieder einen neuen Anlauf genommen und hoffen, dass Frau Pohle sich diesmal positiv zu unseren Anliegen positioniert“, sagt Neumann. Der Plan wurde in den Gleichstellungsausschuss überwiesen. Der hat diesen Monat schon getagt, die Drucksache wurde allerdings auf die nächste Sitzung verschoben. “Diese Darstellung, dass die Grünen immer eifrig dabei waren, das kann ich für die BVV zumindest nicht bestätigen. Dass die Grünen das Thema wieder aktiviert haben, ist trotzdem toll, denn jetzt haben wir einen Text, an dem wir arbeiten können”, sagt Pohle.

Genau wie der SPD-Antrag, fordert der Plan, die Ausschreibung der Stelle einer/eines Queerbeauftragt*en. Ein weiterer Punkt ist die Sensibilisierung des Bezirksamts für queere Themen, mittels fester Schulungen für alle Mitarbeiter*innen und nochmals gesonderte Schulungen für Führungspersonal. Queere Mitarbeiter*innen sollen in extra Räumen und Veranstaltungen „empowered“ werden. Und das wohl größte Ziel: Es soll ein Regenbogenzentrum entstehen, eine Anlaufstelle für Beratungsangebote, aber auch als Ort für Bildungsveranstaltungen.

Der nächste Gleichstellungsausschuss tagt am 3. November. Er ist öffentlich. Dann könnte sich entscheiden, ob, wann und in welcher Form die von der Grünen und geforderten Veränderungen realisiert werden. An die queere Community wäre es ein entscheidendes Signal: Ihr braucht nicht nach Schöneberg zu ziehen, um euch wohlzufühlen. Auch in Marzahn-Hellersdorf seid ihr willkommen!

Autorin: Marusha Slawinski

Originaltext abrufbar unter: https://nl.tagesspiegel.de/form.do?agnCI=992&agnFN=fullview&agnUID=D.B.Ci2O.zOM.Byk3U.A.l2Z7DyNhJtaEd8R70ea1BoCgCfqcsUj-xelnpbSXI2kQ9ytVYYnuX6t4r3VEddVEKjbufJYIyraxtpUPjkX-DA



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